Wo befinde ich mich gerade auf meiner eigenen Reise?
Welche ‚ferne Planeten‘ will ich erobern – in mir selbst und in der äußeren Welt?
Muss ich Angst vor dem unausweichlichen Tod haben?
Das Bild SCHACHTELHALMPLANET entführt uns in eine geheimnisvolle, außerirdisch anmutende Welt – in leuchtendem Gelb, kühlen Blautönen und einem fast giftigem Grün. Eine junge, nackte Frau sitzt versunken auf einem kleinen, erdähnlichen Planeten, der sich durch ein unendliches, lichtdurchflutetes Meer bewegt. Ihr Rücken ist dem Betrachter zugewandt, ihre Wirbelsäule schimmert zart durch ihre Haut. Sie wirkt lichtvoll, durchsichtig – fast so, als wäre sie ein Wesen zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Ist sie noch in der Welt der Lebenden – oder schon halb im Reich der Toten?
Aus dem Planeten wächst ein einzelner, monumentaler Schachtelhalm empor, dessen rhythmische, gegliederte Struktur ebenfalls an eine Wirbelsäule erinnert. Der Schachtelhalm, eine uralte Pflanze und Vorfahre unserer Steinkohle, dient hier als Weltenachse (axis mundi), die Materie und Geist verbindet. Seine scheinbar ins Endlose wachsende Struktur ist ein Kanal, durch den das Geistige in die Stofflichkeit einfließt und umgekehrt. In der griechischen Mythologie brachte Prometheus den Menschen das Feuer, indem er einen langen Schachtelhalm an Helios’ Sonnenwagen entzündete. Dieses Feuer symbolisiert Erkenntnis.
Im Hintergrund rudert ein Skelett in einem Nachen (Boot), dessen Wellenbewegungen sich in die unendliche Weite des Raumes ausdehnen – ist es Charon, der Fährmann, der die Seelen über den Styx ins Totenreich bringt? Will er die junge Frau jetzt schon mitnehmen?
SCHACHTELHALMPLANET erinnert uns daran, dass wir irdische, vergängliche, jedoch selbstbestimmte Wesen sind und in uns eine geheimnisvolle, tiefere Verbindung zu etwas Ewigen und Universellem tragen.
Mein Malprozess
Das Werk SCHACHTELHALMPLANET basiert auf einer gleichnamigen Zeichnung von 2021. Das Bild schuf ich mit einer Mischung verschiedener Techniken: Die fließenden Strukturen des Schachtelhalms entstanden durch schnelle, geschichtete Setzungen mit Ölfarbe, Schellack und Walnuss-Sud. Den Hintergrund gestaltete ich durch Schütten und Verfließen verdünnter Ölfarben. Die Frau auf dem Planeten malte ich zart und lichtdurchflutet. Meine Malprozesse sind ein ständiges Wechselspiel zwischen Intuition und Kontrolle – genau wie das Leben selbst: einerseits geordnet und rational, andererseits getragen von einer tieferen, seelischen Dynamik, die sich nicht planen lässt.